Der Viererbund


Brauchtumschutz

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(c) HZÜ-Bild 2010

Die Schriften im Überlinger Stadtarchiv belegen es äußerst eindrucksvoll: Die Fastnacht hatte immer wieder mit Verboten und Reglementierungen zu tun. Das war auch in vielen anderen Orten so. Zu allem Überfluss wurde die bodenständige Narretei im Schwäbisch-Alemannischen Raum im 19. Jahrhundert allmählich durch rheinische Karnevalsbräuche zurückgedrängt.

Doch die Rückbesinnung auf die ursprünglichen Traditionen sollte kommen, wenn auch zunächst durch den Ersten Weltkrieg verhindert.

Um künftig solchen Verboten und Traditionsverwässerungen entschiedener entgegen treten zu können, wurde schon bald ein wichtiger Schritt getan. So gründeten zahlreiche historische Narrenzünfte im Jahr 1924 die Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Dadurch wollte man sich u.a. auch gegen den rheinischen Karneval und gegen verfälschtes Brauchtum abgrenzen. Gleichzeitig keimte die Idee auf, u.a. Narrentreffen abzuhalten. Die Narrenzunft Überlingen trat dieser Vereinigung im Jahr 1925 bei.

 

Austritt aus der VSAN im Jahr 1953

Es kam schon bald zur Neuaufnahme auch von Zünften ohne eigene überlieferte Bräuche. Die Begleiterscheinung: das offensichtliche Kopieren von Narrenkleidern und Traditionen alter Zünfte, hervorgerufen auch durch die steigende Anzahl von Narrentreffen. Diese Entwicklung hin zu einem regelrechten „Narren-Tourismus“ förderte bei einigen Zünften das Unbehagen, das dann nach der erneuten Zwangspause durch den Zweiten Weltkrieg im Jahr 1953 in einem folgenreichen Entschluss gipfelte: Die Narrenzünfte aus Rottweil, Elzach und Überlingen verließen die VSAN.

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Vorausgegangen war zusätzlich auch noch ein größerer Streit darüber, ob die VSAN dem Bund Deutscher
Karneval (BDK) beitreten soll oder nicht. Für die drei abtrünnigen Narrenzünfte war allein der Gedanke daran gleichwertig dem besagten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen sollte. Auch die Narrenzünfte aus Villingen und Oberndorf kehrten kurze Zeit später der VSAN den Rücken.

 

Vom Dreier- zum Viererbund

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(c) HZÜ-Bild 2010

Der gemeinsamen närrischen Sache verbunden beschlossen zunächst die Zünfte aus Rottweil, Elzach und Überlingen ein formloses Zusammenwirken. Ein Handschlag und eine mündliche Übereinkunft reichten aus, bis heute. Kein schriftliches Vertragswerk regelt diese Narrenverbundenheit. Wo gibt es das noch? Einige Jahre später kam die Zunft aus Oberndorf hinzu und der „Viererbund“ war entstanden.

 

Die Narrenzunft aus Villingen hatte diesbezüglich keinerlei Ambitionen und feiert auch heute noch nur in den eigenen Mauern.

Seit dieser Zeit in den 50er Jahren ist hingegen die närrische Freundschaft zwischen den anfangs drei, später dann vier gleichgesinnten Narrenzünften, auch „Rebellenzünften“ oder „Narrenaristokraten“ genannt, stetig gewachsen.

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(c) HZÜ-Bild 2003

Selbst Ehepaare entstanden zwischen Elz, Neckar und Bodensee. Lebendig wird diese Narrenfreundschaft seitdem alle drei bis vier Jahre, wenn nach einem festgelegten Turnus, in einem der vier Städte zum Narrentag geladen wird; jedesmal ein zelebriertes, närrisches Großereignis, vielmehr als „nur“ ein großes Narrentreffen. Es gleicht eher schon einem großen „närrischen Familientreffen“; ein entscheidender Unterschied zu anderen Narrentreffen.

 

Auflistung der Narrentage seit 1958

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(c) HZÜ-Bild 2006

1958 Überlingen, 1959 Elzach, 1960 Rottweil
(bis dahin als Dreierbund – danach kam Oberndorf dazu)

1963 Überlingen, 1966 Oberndorf, 1969 Elzach, 1973 Rottweil, 1977 Überlingen, 1980 Oberndorf, 1984 Elzach, 1987 Rottweil, 1992 Überlingen, 1995 Oberndorf, 1999 Elzach, 2003 Rottweil, 2006 Überlingen, 2010 Oberndorf, 2013 Elzach, 2017 Rottweil, 2020 Überlingen,…